1885 – Das Kurhaus in Scheveningen wird eröffnet

Das Seebad Scheveningen strahlte einst einen großen Glanz aus, von dem heute nur noch das Kurhaus einen blassen Eindruck vermittelt.

Bevor das Kurhaus am 11. Juli 1885 eröffnet wurde, hatte es jedoch schon eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Bereits 1818 eröffnete Jacob Pronk das erste Badehaus – ein kleines hölzernes Gebäude mit einem kleinen Warteraum und vier Badezimmern mit Meerblick. Badegästen wurde damit die Möglichkeit geboten in Wannen zu baden, die mit Meerwasser gefüllt waren. Vor allem sollten rheumatische Leiden auf diese Weise Linderung erfahren. Pronks Konzept wurde ein Erfolg, daher ließ er 1820 das hölzerne Badehaus durch ein Gebäude aus Stein ersetzen. Das Design des Gebäudes war dem Kurhaus von Aachen nachempfunden.

Die Tatsache, dass Pronk eine lukrative Einnahmequelle entdeckt hatte, blieb der Regierung in Den Haag nicht verborgen. Um die öffentlichen Kassen aufzufüllen, entschied man sich für eine Übernahme des Geschäftes. 1828 ging das Seebad in die Hände der Stadt Den Haag über.
Im Jahr 1854 wurde das städtische Badehaus um zwei Seitenflügel erweitert und 30 Jahre später abgerissen. Das bislang städtische Badehaus wurde in ein Hotel umgewandelt und 1884 mit dem neuen Kurhaus gekrönt. Errichtet wurde das Gebäude im Stil der italienischen Renaissance von den deutschen Architekten und Bauunternehmern Johann Friedrich Henkenhaf (1848–1908), seinem Bruder Jakob Henkenhaf (1850–1927) und Friedrich Ebert (1850–1914). Eröffnet wurde das Kurhaus am 11. Juli 1885.

Das Gebäude im Stil der italienischen Renaissance brannte am 1. September 1886 ab. Der Brand soll dadurch entstanden sein, dass ein Spiritus-Kocher umgefallen sei, während ein Kindermädchen Brei kochte. Das Dienstmädchen war angestellt von der Familie Heineken – sie sei, so heißt es, schreiend weggelaufen. Das Kurhaus wurde wiederaufgebaut und nach nur neun Monaten Bauzeit am 19. Juni 1887 wiedereröffnet.

Die Besitzer wechselten und gegen Ende der 1960er Jahre operierte die Geschäftsführung des Kurhauses mit signifikanten Verlusten, sodass die Entscheidung getroffen werden musste, das Kurhaus zu schließen. Die „Exploitatie Maatschappij Scheveningen“ (EMS) verkaufte das Kurhaus im Jahr 1973 an ein Konsortium, das das Kurhaus abreißen lassen wollte. Dem scharfen Protest der Regierung in Den Haag war es zu verdanken, dass die Abrisspläne verhindert werden konnten. Seit Oktober 2014 ist es ein Teil der Amrâth Hotel Gruppe.

Tipp: Das Kurhaus bietet eine historische Führung durch das Gebäude an, diese kann um einen High Tea im Anschluss an den Rundgang erweitert werden.

Foto: Christian Schneider

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