Schwerpunktbeitrag: Koninklijk Kabinet van Schilderijen Mauritshuis

Aus Anlass der einhundertsten Ausgabe des Den Haag-Blogs „Journal aan Zee“ haben wir uns ein besonderes Thema für Sie ausgesucht: Einen Schwerpunktbeitrag über das Königliche Gemäldekabinett Mauritshaus im Herzen der Stadt.

Chronik
Beginnen wir chronologisch mit der Geschichte des Mauritshuis:

1633: Baubeginn.
1644: Fertigstellung und Bezug durch Johan Maurits von Nassau-Siegen.
1679: Johan Maurits stirbt. Das Mauritshuis wird an den Den Haager Immobilienunternehmer Gerrit Maes verkauft, der es sogleich an den Staat vermietet.
1704: Ein Brand vernichtet die ursprünglichen Innenräume.
1718: Vollendung des Wiederaufbaus.
1807 bis 1821: Koninklijke Bibliotheek und Koninklijk Penningkabinet.
1821 bis 1875: Koninklijk Kabinet van Zeldzaamheden.
1822 bis heute: Koninklijk Kabinet van Schilderijen.
2022: Zweihundertster Geburtstag des Museums.

Das Gebäude
Schon im siebzehnten Jahrhundert wurde das Mauritshuis oft spöttisch „Zuckerpalast“ genannt. Dies bezog sich auf die Herkunft der Einkünfte von Johan Maurits, der in Brasilien durch den Handel mit Zucker und Menschen viel Geld für die Niederländische Westindien-Kompanie (West India Company, WIC) verdiente.

Der ehemalige Stadtpalast wurde zwischen 1633 und 1644 nach Plänen von Jacob van Campen und seinem Assistenten Pieter Post errichtet. Van Campen überließ den Bau Post. Der Bau dauerte unter anderem deshalb so lange, weil Johan Maurits 1636 für über sieben Jahre nach Brasilien ging, so dass keine Eile geboten war. Ein weiteres Problem war die Brücke, die an der Stelle des heutigen Gebäudes stand. Sie durfte nicht abgerissen werden, bevor nicht eine neue Brücke mit einem neuen Tor zum Binnenhof, dem heutigen Mauritspoort, gebaut war.

Das quadratische Gebäude ist im niederländisch-klassischen Stil gehalten und steht auf einem hohen Sockel. Die Fassade hat ein Gesims, das auf jeder Seite von einer Anordnung ionischer Säulen mit der berühmten Schnecke im Kapitell getragen wird. Das zurückgesetzte Dach und die Verwendung von Ziegeln sind typisch niederländisch. Da der steinumrahmte Mittelteil leicht vorsteht (ein sogenannter Risalit), erinnert er an einen römischen Tempel. Dieser Baustil wurde häufig von Anhängern des Renaissanceideals verwendet. Über den Fenstern befinden sich Girlanden und an der Vorder- und Rückseite ist ein Giebel angebracht, an der Vorderseite mit dem Familienwappen, an der Rückseite mit einer Schlachtszene in Relief von Pieter Adriaensz ‚t Hooft.

Das Haus wurde mit Wohnungen auf zwei Etagen links und rechts aufgeteilt. Auf der Rückseite, mit Blick auf den Hofvijver, wurde im Erdgeschoss und im ersten Stock ein großer Saal angebaut. Ursprünglich hatte die Halle oben eine Kuppel.

Die Kunstsammlung
Die Sammlung besteht aus circa 800 Gemälden, 50 Miniaturen, 20 Skulpturen sowie Zeichnungen und Druckgraphiken. Die ausgestellten Werke bieten einen hervorragenden Überblick über die nord- und südniederländische Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts. Darunter befinden sich Meisterwerke des Goldenen Zeitalters. So besitzt das Mauritshuis zum Beispiel mit zehn Werken von Rembrandt eine der größten und bedeutsamsten Sammlungen der Welt.

Eine Auswahl der wichtigsten Gemälde:
•     Ambrosius Bosschaert der Ältere: Blumenvase in einer Fensternische (1618)
•     Jan Brueghel der Ältere und Peter Paul Rubens: Paradiesdarstellung mit Sündenfall (1615)
•     Adriaen Coorte: Stillleben mit Walderdbeeren (1705)
•     Frans Hals: Lachender Junge (1627)
•     Hans Holbein der Jüngere: Porträt von Robert Cheseman (1533)
•     Paulus Potter: Der Stier (1647)
•     Carel Fabritius: Der Distelfink (1654)
•     Frans van Mieris der Ältere: Bordellszene (1658)
•     Rembrandt van Rijn: Susanna (1636)
•     Rembrandt van Rijn: Die Anatomie des Dr. Tulp (1632)
•     Rembrandt Werkstatt: Kopie des Selbstbildnisses mit Halsberge (ca. 1629)
•     Jacob van Ruisdael: Ansicht Harlems mit Bleichfeldern (1670–1675)
•     Jan Steen: „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen“ (1665)
•     Jan Vermeer: Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge (1665)
•     Jan Vermeer: Ansicht von Delft (1660/61)
•     Jan Vermeer: Diana mit ihren Gefährtinnen (1655/56)
•     Rogier van der Weyden: Die Beweinung Christi (1438)

Die aktuellen Ausstellungen
Neben der einmaligen Dauerausstellung mit der weltweit einzigartigen Sammlung nord- und südniederländischer Meisterwerke aus dem 17. Jahrhundert gibt es auch aktuell sehenswerte Ausstellungen:

„PotterKijkers – De stier onder de loep“

„Who’s that girl? Ontdekkingen over het Meisje met de parel“

Und vom 12. September 2024 bis zum 5. Januar 2025: „Het verdwenen museum“

Das Mauritshuis digital
Neben der einmaligen Gemäldesammlung im Gebäude bietet das Mauritshuis auch noch eine umfangreiche digitale Ausstellung sowie weitergehende Informationen (auf Niederländisch) an:

Übersicht aller Kunstwerke
Virtueller Spaziergang durch das Mauritshuis
Kunstgeschichten
Die Meister des Mauritshuis
„Mauritshuis at home“

Quellen und weitere Informationen

Digital:
Das Museum
Wikipedia
Der Besuch

Bücher:
Quentin Buvelot: Mauritshuis – het gebouw (2014)
Mauritshuis: Mauritshuis – Koninklijk Kabinet van Schilderijen – Hoogepunten uit de collectie (2014)
Stiftung der Freunde des Mauritshuis: Königliches Gemäldekabinett Mauritshuis – Führer (2002)

Text und Foto: Christian Schneider

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