Kulturbrücken Den Haag – Berlin – Amsterdam: Menno ter Braak und die Postkarte aus Berlin

Menno ter Braak (* 26. Januar 1902 in Eibergen) studierte nach seinem Schulabschluss Niederländisch und Geschichte an der Universität van Amsterdam. Während seiner Studienjahre ist er Redakteur der Zeitschrift „Propria Cures“, der ältesten Studentenzeitung der Niederlande. 1927 hielt er sich für längere Zeit zu Forschungsarbeiten für seine Doktorarbeit in Berlin auf. 1928 schloss er seine Promotion mit dem Titel „Kaiser Otto III – Ideal und Praxis im frühen Mittelalter“ ab. Anschließend war er mehrere Jahre lang als Lehrer tätig, unter anderem am Rotterdamer Lyzeum.

Ter Braak beginnt zu schreiben, seine frühen Essays sind in „Afscheid van Domineesland“ (1931) und „Man tegen man“ (1931) zusammengefasst. 1930 erscheint sein Roman „Het carnaval der burgers“.

1932 gründeten Menno ter Braak, Edgar du Perron und Maurice Roelants die innovative Literaturzeitschrift „Forum“ – Forum war eine niederländisch-flämische Literaturzeitschrift, die ab 1932 im Verlag Nijgh & Van Ditmar in Rotterdam erschien. Obwohl die Zeitschrift nur vier Jahrgänge umfasste, entwickelte sie sich fast sofort zur wichtigsten Literaturzeitschrift der Zwischenkriegszeit und behielt ihre Bedeutung auch noch lange danach. Es gab jedoch Differenzen zwischen den niederländischen und den flämischen Redakteuren, die zu einer Spaltung in der Redaktion führten – nach nur vier Jahrgängen wurde die Zeitschrift 1935 eingestellt.

1933 wurde Ter Braak als literarischer Redakteur der Tageszeitung „Het Vaderland“ angestellt, was ihm ermöglichte, seine Tätigkeit als Lehrer aufzugeben. Während seiner Karriere als Redakteur machte sich Ter Braak mit Buchrezensionen einen Namen. In diesen wöchentlich erscheinenden „Kronieken“ verglich er in der Regel verschiedene Bücher, sowohl Neuauflagen als auch Nachdrucke, und machte sein kritisches Werk auf hohem essayistischen Niveau zu einem Spiegel der niederländischen Literatur zwischen 1900 und 1940.

Nach der Machtergreifung Hitlers steht Ter Braak auch in engem Kontakt mit einer Reihe von deutschen Autoren, die ihre Heimat verlassen mussten. In einem Artikel in „Het Vaderland“ vom 25. November 1934 entwickelte der sehr kritische Menno ter Braak den Begriff „Emigrantenkomplex“. Er glaubte, bei den Beiträgern und Rezensenten der Emigrantenzeitschriften eine Parteilichkeit der Autoren untereinander zu erkennen. Er war der Ansicht, fehlgeleitete Sympathie veranlasse die Autoren, auch weniger gelungene Werke sofort zu literarischen Meisterwerken auszurufen. Seiner Ansicht nach duldeten die Grundsätze eines Literaturkritikers duldeten jedoch keine Ausnahmen. Als Negativbeispiel dazu führte Menno ter Braak den Roman „Flucht in den Norden“ von Klaus Mann an. Das führte zum Streit zwischen Ter Braak und Klaus Mann. Unter anderem mussten Lion Feuchtwanger und Alfred Döblin ähnliche Rezensionen über sich ergehen lassen.

Spätestens als Menno ter Braak Klaus Manns Buch „Flucht in in den Norden“ rezensiert hat, dürfte Thomas Mann auf den Schriftsteller und Literaturkritiker aufmerksam geworden sein. Vom 15. Juni bis 5. August 1939 hielt sich Thomas Mann in Noordwijk aan Zee im „Huis ter Duin“ auf. Dort empfing er auch Menno ter Braak zum Tee. Am 19. Juli 1939 trafen sich Thomas und Katia Mann mit Menno ter Braak am Plein, um gemeinsam das Mauritshaus zu besuchen. Danach waren sie im Hotel des Indes zum Lunch. Am 21. Juli kam Ter Braak erneut nach Huis ter Duin – zum gemeinsamen Tee mit Mann und dem Maler Paul Citroen.

Die Gefahren der nationalsozialistischen Bewegung hatte Menno ter Braak bereits 1927 während seines Studiums in Berlin kennengelernt. Daher betrachtete er die Entwicklungen im Deutschland der 1930er Jahre mit großem Misstrauen und warnte daher schon früh vor den Gefahren des Nationalsozialismus. In „Het nationaalsocialisme als rancuneleer“ (1937) analysiert er auf brillante Weise den Aufstieg der Nazibewegung. Er warnt davor, dass der Vormarsch und die Anhängerschaft der Nazis weitaus größer und erschreckender sind, als viele glauben. Ter Braak gehörte dem am 27. Juni 1936 im Café Américain in Amsterdam gegründeten „Comité van Waakzaamheid“ an.

Menno ter Braak wusste, dass er auf der Todesliste der Nationalsozialisten stand und war entschlossen, im Falle einer Besetzung der Niederlande durch die Nazis aus dem Leben zu scheiden. Am Abend des 14. Mai 1940 beging Ter Braak in der Wohnung seines Bruders Wim ter Braak, einem Neurologen in Den Haag, Selbstmord. Am 28. August 1947 erschien der von Thomas Mann verfasste Nachruf „In Memoriam Menno ter Braak“ in der niederländischen Zeitung „Het Parool“. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Oud Eik en Duinen in Den Haag.

Am 19. Dezember 2023 befasst sich die nächste Ausgabe der „Kulturbrücken Den Haag – Berlin – Amsterdam“ mit dem Thema Klaus Mann und Exilliteratur – Die Zeitschrift ‚Die Sammlung„. 

Text: Christian Schneider
Foto: Ansichtkaart uit Berlijn van Menno ter Braak aan C. J. Kelk, Quelle: https://geheugen.delpher.nl

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