Monatsgedicht: Rose Ausländer „September“

Auf Vorschlag von Heide Klijn möchten wir Ihnen monatlich ein Gedicht vorstellen, das diesem Monat beziehungsweise der Jahreszeit gewidmet ist. Wir starten mit dem Gedicht „September“ von Rose Ausländer.

September

Diese letzte Klausur des Sommers ehe das Laub gelb wird und fällt.

Dies Farbenspiel vor dem Ade grüne Schwingungen Blumenschaum blitzende Kiesel vor dem Ade.

Im Hintergrund singt der graue Rhein Es geht zu Ende.

Spatzen wehren sich gegen den Wind der schon wild ist.

Wir wehren uns gegen das Gelb auf unserer Haut, trinken den letzten Glanz der sinkenden Sonne.

 

Rose Ausländer (* 11. Mai 1901 in Czernowitz, Österreich-Ungarn; † 3. Januar 1988 in Düsseldorf; geborene Rosalie Beatrice Scherzer) war eine aus der Bukowina stammende deutsch- und englischsprachige Lyrikerin. Sie lebte in Österreich-Ungarn, Rumänien, den USA, Österreich und Deutschland. Das Leben von Rose Ausländer war geprägt durch Flucht und Verfolgung: 1916 die erste Flucht vor der russischen Besatzung nach Wien, danach wieder zurück nach Rumänien, 1921 Emigration in die USA. Sie wurde US-Bürgerin und arbeitete für mehrere deutschsprachige Zeitungen. Nach ihrer Rückkehr nach Europa lebte sie in Paris und kehrte später wieder in ihre Heimat Czernowitz zurück. Als sie von 1941-44 im Ghetto von Cernauti gefangen war, lernte sie Paul Celan kennen. Nach der Befreiung reiste sie in die USA. Zurück in Paris war Paul Celan wieder ihr Gesprächspartner – sie sprachen über moderne Gedichte, Poesie und die Shoah. Buchneuerscheinungen von Rose Ausländer gab es erst wieder nach 1963, in Wien. Ihre mehr als 3.000 Gedichte handeln von der Heimat, der Jugend, dem Judentum, der Liebe und sehr viel vom Alter und dem Sterben. Schreiben war ihr Leben und sie sagte „Wer bin ich, wenn ich nicht schreibe?“

Wikipedia

Foto: Petra Kaumann

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